Karbon


Karbon
Kar|bon 〈n.; -s; unz.; Geol.〉 Formation des Paläozoikums (zw. Devon u. Perm) vor 290-230 Mio. Jahren mit großen Sumpfwäldern, aus denen die Kohle entstand; Sy Steinkohlenformation, Steinkohlenzeit [<lat. carbo „Kohle“]

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Kar|bon, das; -s [zu lat. carbo = Kohle, nach der in dieser Zeit vorherrschenden Kohlebildung] (Geol.):
vorletzte Formation des Erdaltertums.

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Karbon
 
das, -s,  
 1) Geologie: das vorletzte System (Periode) des Paläozoikums.
 
Ins Karbon fallen die Hauptphasen der variskischen Gebirgsbildung. Südlich des Oldred-Kontinents (Nordeuropa) erstreckte sich in Mitteleuropa die variskische Geosynklinale. Aus dem Meer ragten die Mitteldeutsche Schwelle und die Alemannisch-Böhmische Insel heraus. Im Unterkarbon lagerten sich an den Festlandrändern (Westeuropa, Nordafrika) Kohlenkalk, innerhalb der Geosynklinale die sandig-tonigen Flyschsedimente des Kulm ab. Im Oberkarbon ging aus der Geosynklinale das Variskische Gebirge Mitteleuropas mit dem anschließenden Armorikanischen Gebirge Westeuropas hervor. In der nördlich vorgelagerten, schmalen, sich allmählich nach Norden verlagernden Randsenkenzone, der subvariskischen Vortiefe, sammelten sich über 6 000 m mächtige Sedimente. Dank des warmfeuchten, tropisch-subtropischen Klimas entwickelte sich hier eine üppige Sumpfwaldvegetation, aus der durch Torfanhäufung zahlreicher Kohlenflöze entstanden, die infolge zeitweiliger, kurzfristiger Senkung immer wieder von Meeresablagerungen überdeckt wurden. Der Gürtel dieser paralischen Steinkohlenlagerstätten erstreckt sich von Großbritannien über Nordfrankreich, Belgien, die südlichen Niederlande, das Rheinisch-Westfälische Revier (Aachener Revier, Ruhrgebiet, Ibbenbüren) bis nach Oberschlesien. In Innensenken des Gebirges (Zentralmassiv, Saarland, Saalesenke, Niederschlesien) entstanden weitere, aber rein limnische, festländische Kohlenvorkommen. Wegen dieser vorherrschenden Kohlenbildung wurde das Karbon auch Steinkohlenformation genannt. Der Alpenbereich gehörte zusammen mit dem Mittelmeergebiet zum Meeresgürtel der Tethys. Südlich der Osteuropischen Tafel wurden bis 10 000 m mächtige Kohlen führende Schichten im Donezbecken angehäuft. In der Arktis wurde durch einen Meeresvorstoß das Oldred-Festland in zwei Blöcke zerlegt. Nordamerika, das eine ähnliche Entwicklung (einschließlich der Kohlebildung) wie Europa erfuhr, stand mit diesem Kontinent in engem räumlichem Zusammenhang, der erst durch die Entwicklung des Atlantik im Mesozoikum aufgehoben wurde. Auf der Südhalbkugel lag die aus Südamerika, Afrika, Vorderindien, Antarktis und Australien bestehende Festlandmasse Gondwana. Im Oberkarbon stellte sich hier kühles Klima ein (belegt durch die Glossopterisflora), das schließlich zur permokarbonischen Vereisung führte.
 
Die alten Tiergruppen (tabulate Korallen, Stromatoporen, Trilobiten, Graptolithen) verloren an Bedeutung. Die ersten Großforaminiferen (Fusulinen), Süßwasserschnecken (Cyclophoracea) und -muscheln (Anthracosiacea, Myalinidae) traten auf: Moostierchen wirkten riffbildend, runzlige Korallen, Ammonoideen (Goniatiten, v. a. Gattendorfia), Muschelkrebse und Conodonten sind wichtige Leitfossilien. Skorpione, Spinnen, Tausendfüßer, Armfüßer (v. a. Productiden und Spiriferen), Meeresschnecken (u. a. Bellerophon) und Amphibien (Labyrinthodontia und Lepospondylen) waren reich vertreten. Die geflügelten Insekten traten v. a. mit den Riesenformen der libellenähnlichen »Urflügler« hervor: Palaeodictyoptera (mit der Gattung Stenodictya) und Megasecoptera (u. a. Meganeura mit einer Flügelspannweite von 75 cm); im obersten Karbon gab es 1 300 Insektenarten. Anstelle der Panzerfische, die im Oberkarbon ausstarben, breiteten sich Knorpel- (u. a. Cladoselachii und Seedrachen) und Knochenfische (u. a. Knorpelganoidea wie Palaeoniscus) aus. Im Oberkarbon erschienen die ersten Reptilien: Cotylosauria (mit den Diadectomorpha), Pelycosauria (Edaphosaurus) und Eosuchia (Petrolacosaurus).
 
Blaualgen und Algen begünstigten die Kalkbildung. Die höheren Pflanzen eroberten das sich ausdehnende Festland. Bärlappgewächse (Sigillaria, Lepidodendron), Schachtelhalme (Astrocalamitaceae, Calamitaceae) und die ihnen nahe stehenden Keilblattgewächse (u. a. Sphenophyllum), Samenfarne (u. a. Callipteris) und Cordaiten erreichten Baumgröße. Im obersten Karbon erschienen die ersten, früher »Walchia« genannten Nadelbäume (u. a. Lebachia, Ernestidendron).
 
 
Das K. der subvarisc. Saumsenke, 3 Tle. (1960-62);
 
Die K.-Ablagerungen in der Bundesrep. Dtl., bearb. v. M. Bachmann u. a. (1971);
 
Internat. Kongreß für Stratigraphie u. Geologie des K., hg. v. K.-H. Josten, 3 Bde. (1972-74).
 
 2) Mineral, Bort.

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Kar|bon, das; -s [zu lat. carbo = Kohle, nach der in dieser Zeit vorherrschenden Kohlebildung] (Geol.): vorletzte Formation des Erdaltertums.

Universal-Lexikon. 2012.

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